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Kapelle

Kapelle Anderten

Kapelle Zu Anderten

Kirchengemeinde Heemsen
Sprengel Calenberg . Hoya

Kirche im Dorf
Ein Bestandteil des Lebens

Die Kapelle in Anderten ist eines der ältesten und dorfbildprägenden Fachwerkgebäude im Ort. Die evangelisch-lutherische Kapellengemeinde Anderten gehört zum Kirchspiel Heemsen und ist mit 180 Mitgliedern recht klein, aber sehr aktiv und durch diese Aktivität fester Bestandteil des kulturellen dörflichen Lebens. Die Anderter Kapelle ist also kein musealer Bau, sondern eine lebendige Kirche in der Mitte des Dorfes.
Als im Jahr 2oo1 eine grundlegende Sanierung notwendig wurde, war von vornherein klar, dass alle Maßnahmen einem doppelten Ziel dienen sollten, nämlich der Gemeinde den vertrauten Raum zur zeitgemäßen Feier der kirchlichen Veranstaltungen zu erhalten und die lange Tradition des Bauwerks außen und innen deutlich ablesbar zu machen. Weiterhin war für die Einwohner klar, dass sie tatkräftig bei der Umsetzung der Sanierung "ihrer Kapelle" helfen und die Umsetzung dadurch auch erst möglich möglich machen würden. Dieses Beispiel zeigt, welchen hohen Stellenwert die Kapelle Anderten hat. Wer nun gegen Ende der Baumaßnahme das Ergebnis sieht, wird sagen können: Mühen und Kosten haben sich gelohnt.

Elisabeth Garner-Lischka
Pastorin

Friedrich-Wilhelm Koop
Vorsitzender des Kapellenvorstandes


Der Innenraum in neuem Glanz


Die Baugeschichte


Die 1854 erbaute Kapelle ersetzte eine wahrscheinlich seit dem 16. Jahrhundert in Anderten existierende Kapelle. Nur 50 Jahre später wurde aufgrund von Baumängeln und fehlendem Platz ein Neubau geplant. Dieser konnte aus Kostengründen nicht realisiert werden. Daher wurde eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes durch eine Apsis durchgeführt. Jetzt hatten in der Kapelle 92 Erwachsene und 42 Kinder Platz. Ebenso wurde der bis dahin neben der Kapelle stehende Glockenstuhl abgerissen und der Kapellenturm errichtet. Die im Turm angebrachte Glocke stammt noch aus der 1854 abgebrochenen Kapelle. Diese wurde bereits 184o von Dietrich Bösenberg mit einer Schubkarre zur Gießerei nach Hannover-Linden und zurück transportiert. Für diese Dienstleistung erhielt er drei Thaler. 1972 erhielt die Glocke einen Elektromotor. Bis dahin wurde die Glocke von den Konfirmanden von Hand geläutet.

Eckhard Klages
Stellv. Vorsitzender des Kapellenvorstandes

Grußwort des Kirchenkreises Nienburg


Der Kirchenkreis Nienburg freut sich mit der Kapellengemeinde Anderten über das Kleinod der Kapelle, die nach wertgetreuer Restaurierung in neuem Glanz erstrahlt. In ihrer schlichten Schönheit lädt sie zum Hören auf Gottes Wort, zu stiller Besinnung und zum fröhlichen Feiern der Wunder Gottes in unserer Welt ein.

Möge jeder/jede,der/die diesen Raum betritt, ergriffen werden von der spürbaren Nähe Gottes, getröstet werden in Zeiten der Not, ermutigt werden zur Nächstenliebe und einstimmen in des Gebet des Psalmisten: Herr ich lieb die Stätte Deines Hauses und den Ort, da Deine Ehre wohnt!"
(Psalm 26,8)

Martin Lechner
Superintendent



Schadensbilder, Konzepte und Maßnahmen


Alles begann mit den Anstrichschäden an der Decke etwa in der Mitte des Kirchsaales. Ziemlich schnell stand fest, dass es nicht damit getan war, die Fehlstellen noch einmal zu überstreichen, weil der Untergrund nicht tragfähig war, d.h. der auch in allen anderen Kirchräumen ungeeignete Dispersionsanstrich musste komplett abgenommen werden. Dies ist für sich schon eine mittlere Maßnahme in der kleinen Kirchengemeinde, aber es kam noch härter. An der Außenhaut des Fachwerkgebäudes gab es viele Holzschäden, die jeder für sich nicht überdimensional, aber in der Summe doch groß genug waren, dass der Kapellenvorstand beschloss, zunächst das Fachwerk instand zusetzen.

Ausmauerung der Gefache

Ansicht der Innenschale

Auch eine Pause muß mal sein

Denn was hätte es für ein Sinn gemacht, die Raumschale neu auszumalen, wenn in den Außenwänden immer wieder eine Schwelle, ein Stiel oder ein Riegel hätte ausgewechselt werden müssen und dadurch Risse, Putzverluste etc. entstanden wären.
So wurden alle Fachwerkteile abgeklopft und die geschädigten Hölzer in einem Übersichtsplan eingetragen. Daraus entwickelte sich eine Ausschreibung für Zimmerarbeiten und der Auftrag zur Ausführung der Fachwerkinstandsetzung. Am Ostermontag 2oo3 baute die Dorfgemeinschaft die Bänke aus. Dann wurden beide Traufseiten und die Eingangsseite abgestützt und alle geschädigten Hölzer freigelegt, d.h. die Gefachsausmauerungen herausgenommen. So konnte man zeitweise vom Friedhof durch die Kapelle bis zur Dorfstraße schauen - ein ungewohnter Blick. Die Zimmerleute haben im sehr schönen Frühsommer 2oo3 alle neuen Hölzer - aus Eiche - mit handwerksgerechten Anschlüssen eingebaut, d.h. die Schwellen wurden mit dem sog. Geraden Hakenblatt verbunden, die Ecken verkämmt, die neuen Riegel mit sog. Jagdzapfen angeschlossen.
Für das Ausmauern der Gefache konnten fast alle bisherigen Steine wieder verwendet werden - auch ein kleiner Beitrag zur Nachhaltigkeit im Bauen. Beim Ausmauern der Gefache mit Kalk-Trass-Mörtel durch die Dorfgemeinschaft haben uns Schüler des Berufsvorbereitungsjahres der BBS Nienburg unterstützt. Das Verputzen der Fehlstellen im Innern der Kapelle wurde dankenswerterweise auch von der Dorfgemeinschaft ausgeführt.
Zur Außeninstandsetzung gehörte auch der Neuanstrich der Fenster, der erstmalige Einbau von sechs Schalläden aus Eiche in der Glockenstube und ein neues Vordach. In der Glockenstube waren bisher nur geschlossene Klappläden vorhanden. Dadurch konnte sich der Klang der Glocke nur unzureichend im Dorf ausbreiten, weil die große räumliche Enge in der Glockenstube es kaum zuließ, vor jedem Gottesdienst wieder zu schließen. Mit dem neuen Vordach wird die zweiflügelige Eingangstür weitgehend vor Regen geschützt. Es besteht aus 2o mm Verbundsicherheitsglas mit einer 6Punkt-Befestigung. Auf Fotos lässt sich das neue Vordach aufgrund der Transparenz kaum erkennen, deshalb wird dieser auf dieser Seite noch eine Enwurfszisse abgebildet.
Zusammenfassend ist das Glasdach ein gutes Beispiel dafür, wie man ein historisches Gebäude mit einem modernen Material angemessen ergänzen kann, um so wichtige Ziele wie z.B. die möglichst lange Haltbarkeit von den Türen an den Wetterseiten mit einfachen Mitteln zu erreichen.
Nach Abnahme der Dispersionsfarbe wurde die Raumschale mit einer Mineralfarbe nach Befund gestrichen. Altarraum und Kirchensaal sind durch zwei seitliche Flügelwände getrennt. Diese raumwirksamen Flächen wurden mit einer Holzimitationslasur versehen. Dadurch entstand eine enorme Verbesserung des Raumbildes.
Im Mittelgang und in Altarraum lagen rote Ziegelsteine als Flachschicht in einem Sandbett, teilweise beschädigt, vielfach abgesackt. Zunächst war nur vorgesehen, den Ziegelbelag aufzunehmen, die abgesackten Ziegel aufzufüllen und die bisherigen Steine neu zu verlegen. Dann stellte sich jedoch heraus, dass die Steinschäden größer als erwartet waren und der Kapellenvorstand entschloss sich, in Eigenleistung einen neuen Fußboden aus rustikalen, handgemachten, luftgetrockneten, kohlegebrannten, ca. 19,5x19,5x3,5 cm große Ziegel in Rot zu verlegen - eine enorme Kraftleistung.
Am 2. Advent 2oo3 stellte Superintendent Martin Lechler die Kapelle in einem Festgottesdienst wieder in Dienst der Verkündung.

Klaus Lünstedt
Baudirektor und Leiter des Amtes
für Bau- und Kunstpflege Verden

 

Endwurfsskizze für ein neues Vordach aus Glas

Handgemachte Fliesen im Innenraum

Einweihungsfeier der Kapelle

 

Unsere Kapelle eine alte Postkarte ca 1930

 
 
 
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